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   BERICHT

Kein Trauschein mehr im Flugzeug?   

Willkürakt entzieht dem Flugzeug in Harbke das Standesamt.   

Es fing alles ganz harmlos an. Die Brautleute Barbara Schubert und Lorenz Borsche aus Heidelberg wollten sich das Ja-Wort im außergewöhnlichen Ambiente geben. Zu diesem Zweck hatten sie sich das FlugzeugCafe´ Fani Fly in Harbke ausgesucht, das seit seiner Eröffnung 1992 als Außenstelle des Standesamts Harbke fungiert. Das Aufgebot wurde bei der Gemeinde bestellt, die Einladungen verschickt. Die Vorbereitungen liefen auf Hochtouren. Soweit so gut.  

Nun trug es sich zu, daß in Folge einer bürokratischen Amtshandlung Harbke das Standesamt entzogen wurde. Ein Antrag seitens der Gemeinde, wenigstens als Außenstelle des Standesamtes Oschersleben weiterzubestehen, wurde im Juli bewilligt. Dummerweise ließ man hierbei das Flugzeug als Standort unter den Tisch fallen. Die Betreiber von Fani Fly ahnten von all dem nichts, traute die Standesbeamtin doch im Flugzeug munter weiter. So wurde auch eher zufällig die Frage aufgeworfen, ob die zehn in der Zwischenzeit geschlossenen Ehen auch rechtskräftig seien.  

Ein eilig zusammengeschustertes Schreiben der Verwaltungsgemeinschaft Ost-Lappwald informierte die Flugzeug-Betreiber im November, daß sich dort seit Juli (!) kein Standesamt mehr befände. Schließlich erfuhren auch die Brautleute in Heidelberg wenige Wochen vor der Hochzeit von ihrem "Glück". Unzählige Telefonate und gehirnschwangere Vorschläge wie "heiraten sie doch im Rathaus Harbke und stellen die Hochzeit im Flugzeug nach!" mußte Lorenz Borsche über sich ergehen lassen, bis dann doch noch eine Ausnahmegenehmigung erteilt wurde. Daß die ganze Angelegenheit durch die Schlamperei der zuständigen Behörde ausgelöst wurde, machte bei den Beamten wenig Eindruck.  

Die Betreiber des Flugzeugs können diese Vorgehensweise nicht begreifen, habe doch eine Rechtsauskunft ergeben, daß dem Weiterbetrieb als Standesamt nichts im Wege stünde. In der Vergangenheit war das Flugzeug-Standesamt immer wieder Anlaß für die Medien, positiv über die Region zu berichten. Auch jetzt wurde von Funk und Fernsehen großes Interesse bekundet. Besonders die "Wie Bitte?!"-Redaktion wird sich das wohl kaum entgehen lassen. 01.12.1995

 


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