Effi Horn: Der Sachverhalt
Die nachfolgende Geschichte hat mein Großvater Fritz Haas in den dreissiger Jahren in der Zeitung entdeckt und seinen Kindern häufiger vorgelesen. Als geflügeltes Wort entstand daraus vor allem: 'Sei nur stille, ich gib' ja schon Obacht', wenn man etwas ungeschicktes getan hat, und auch 'Dies der Sachverhalt'.
1985 stieß ich in der Müncher Abendzeitung auf eine Filmkritik, geschrieben von Effi Horn. Es war tatsächlich die nämliche Dame, die als Volontärin 50 Jahre zuvor diese Geschichte verfasst hatte - und sie freute sich, davon nach so langer Zeit nochmal zu hören.

 


Der Sachverhalt

Von Effi Horn

Nachdem der Gasbadeofen drei Tage nicht richtig funktioniert hatte, betraute man die Klempnerfirma Xaver Weiß Söhne mit der Wiederinstandsetzung, und schon eine Stunde nach der Auftragserteilung kamen zwei Arbeiter mit Zangen, Schrauben, Hämmern und Lötkolben in die Wohnung und verlangten, gezeigt zu bekommen, "wo's an dem G'lump fehlt".

Man führte sie ins Badezimrner, wies auf den Gasbadeofen hin, und sie versicherten kopfnickend, daß "sie das schon kriegten". Worauf man sie ihrem Schicksal überließ und bald nur noch ein Klopfen und Hämmern, untermischt mit gelegentlichem Gemurmel von Stimmen, vernahm. Plötzlich aber erscholl ein greuliches Wehgeheul, dem ein noch viel greulicheres Fluchen folgte, aus dem die erschrockenen Wohnungsinhaber nur Ausdrücke wie "Rindviech damisch's, Depp saudumma, Malefizkrippi verreckta" sowie das Versprechen " 's Kreuz schlag i dir ooh" und "dir zeig i's Tanz'n, Rotzbua mistiga" heraushörten. Nach einiger Zeit, während der eine andere Stimme anderes, nicht weniger Herzhaftes und Liebenswürdigeres erwidert hatte, wurde der Disput ruhiger, nur manchmal noch zu lebhafteren Meinungsverschiedenheiten anschwellend, und allmählich tönte, wie vorher, friedliches Hämmern und Klopfen aus der Badestube.

Trotzdern konnte sich der Hausherr nicht versagen, nachdem sein Badeofen wieder in Ordnung war und die Arbeiter sich verabschiedet hatten, einen Brief an die Firma Xaver Weiß Söhne zu richten, worin er seiner Verwunderung darüber Ausdruck gab, daß eine so altbekannte und bewährte Firma ihre Leute nicht besser erzöge, und sich der Hoffnung hingab, daß der Austrag persönlicher Streitigkeiten in der Wohnung der Kunden in Zukunft durch strickte Anweisung seitens der Firma unterbunden würde.

Darauf erhielt er zwei Tage später von der Firma Xaver Weiß Söhne folgenden Brief:

,,Sehr geehrter Herr! Auf Ihre werten Klagen über ungeziemendes Benehmen seitens unserer Angestellten teilen wir Ihnen höflichst mit, daß wir uns nach genauen Recherchen nicht zu Ihrer Ansicht bekennen können. Es handelt sich darum, daß die beiden Installateure Eder Joseph und Schmid Franz Ihren undichten Gasbadeofen zur diesbezüglichen Aufrichtung bekamen, wobei eine Lötung notwendig war. Während Eder Joseph, auf einem Stuhle stehend, mit dem Lötkolben oben am Ofen dichtete, stand Schmid Franz unten und hielt die Lampe. Dabei geschah es, daß von der glühenden Lötmasse einige Tropfen herunterrannen und bedauerlicherweise gerade dem Installateur Schmid Franz zwischen Hals und Kragen gelangten.

Im ersten Schrecken gab Schmid Franz einen Schreckenston von sich und sagte dann zu seinem Arbeitskollegen: ,,Aber Eder Joseph, was machst Du denn da, wie hälst Du denn Deinen Lötkolben? - So muß es ja heruntertropfen! Gib doch acht, Du tust mir doch wehe, wenn Du weiterrhin so unvorsichtig bist." Worauf Eder Joseph in kurzen Worten sein Bdeauern ausdrückte und sagte: ,,Sei nur stille, ich gib ja schon Obacht."

Dies der Sachverhalt. In der Hoffnung, Ihnen damit gedient zu haben

hochachtend
Firma X. Weiß Söhne."

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