Von einer leichten Geburt mit schweren Folgen

Zwei Nächte und vierzehn Tage plage ich mich mit dem Sportschuhprofessor und seinem furchtbaren Mundgeruch, dann ist aus head77 die Software für Heilpraktiker geworden mit der Rezepte, sprich Heilbehandlungen, Massagen und Fangopackungen verwaltet und abgerechnet werden. Die Packungen geben den Namen schon vor: FANGO soll das gute Teilchen heißen. Und der Professor soll seine Hälfte bezahlen und dann den Vertrieb... - er zahlt nicht, sondern geht konkurs. Pech. Dafür habe ich ein wenig mehr Erfahrung mit meiner Software gewonnen. Und als sich dann mein Freund Mario meldet...

Aber gemach. Mit Mario verbindet mich seit dem Kennenlernen in Cambridge ein freundschaftlicher, wenn auch loser Kontakt. Zu meinem dreissigsten Geburtstag war er damals mit Freundin in einem süßen kleinen Honda Civic aufgekreuzt. Den hatte er für sie besorgt. Am Telefon hatte er ihr nur 'Civic' gesagt, aber nicht, welches Modell. Es war nun nicht der neuere, sondern das alte Mini-Rundgesicht mit dem Buckel auf der Haube. Für eine 1,80-Lady ein klein bißchen eng. Wir Männer waren von dem englisch anmutenden Design begeistert, die Dame weniger, so ist halt das Leben.

Mario also. Hatte inzwischen eine andere geehelicht und eine Tochter in die Welt gesetzt. Und beschlossen, eine esoterische Buchhandlung zu eröffnen, wie er mir am Telefon auseinandersetzt. Von Esoterik verstünde er viel, vom Buchhandel dafür umso weniger, leitet er ein. Der darauf folgende Satz ist zwischen uns umstritten. Ich meine, er habe weitergeführt mit: "Und deshalb brauche ich einen Computer". Und er sagt, ich hätte geantwortet: "Und deshalb brauchst Du einen Computer". Sei es, wie es sei, das Ergebnis ist ein Wochenende in Heidelbergs Fischergasse unter dem Dach, daselbst wir uns bemühen Licht in buchhändlerisches Dunkel zu bringen. Etliches kann ich aus meinen Altprogrammen natürlich übernehmen, Kunden sind Kunden, Mitarbeiter sind Mitarbeiter, Lieferanten bleiben Lieferanten und Statisktiken braucht jeder. Dazu die freundliche Kasse, schon stimmt die Richtung. Bücher sind natürlich etwas anderes als FANGO-Packungen, aber sind sie das wirklich? Ein paar andere Felder müssen natürlich dazu und an der Buchmaske sitzen wir sicher am längsten. Nun aber, da das Wochenende zur Neige geht, haben wir das meiste, aber dieses meiste heißt immer noch FANGO. Ein neuer Name muß her. Blockgrafiken des Namens, wie sie im Hauptmenü und in der Kasse angezeigt werden, sind ziemlicher Fummelkram. Das soll den ohnehin schmalen Projektetat nicht auch noch belasten. "Wenn wir den Querstrich am F wegnehmen, heißt das Ding TANGO, und das macht kaum Arbeit..." sage ich. "Aber was hat denn das mit Buchhandel zu tun?" fragt Mario zurück. "Wieso Buchhandel", sage ich, "der einzige, der das angucken muß, bist Du, und da kann es ja wohl egal sein, oder?". Mario willigt ein, sicher auch mit Blick auf die fortgeschrittene Zeit - und weil es ja schließlich wirklich egal ist, nicht wahr?

Wir spielen TANGO auf Diskette und Mario fährt zurück zu Weib und Kind nach Düsseldorf. Er kauft sich einen Computer und fängt an, die Waren für den im Umbau befindlichen Laden eingeben zu lassen. 6000 Artikel und Bücher von Hand, das ist schon ein gewaltiger Aufwand, der in etwa 6 Wochen in Anspruch nimmt. Die letzten zwei Wochen davon direkt im Laden und die Absunderlichkeiten beginnen. TANGO verlangt eine große REO. Die dauert in etwa zweieinhalb Stunden. Kaum ist sie fertig und drei weitere Artikel sind eingegeben, schon ist der verflixte Schlüsselbaum wieder im Eimer. So kenne ich den AdiTALK gar nicht. Wir rätseln und telefonieren und rätseln. Und reorganisieren und rätseln. Bis Mario der entscheidende Hinweis entschlüpft. Sein Töchterlein hat zuhause am letzten Tag den Compi aus dem Regal gezerrt. Die 20 Zentimeter haben das Gehäuse nur minimal verbeult, in der Hauptplatine aber einen feinen Haarriss hinterlassen, so daß mal gespeichert wird und mal auch nicht. So gemein können die Kisten sein. Nun kann die TAO Buchhandlung sogar mit Computerunterstützung eröffnet werden. Ein wunderschönes Ladenlokal ist es geworden, eine Oase der Ruhe inmitten des hektischen Großstadttreibens auf Düsseldorfs Oststraße. Ganz unvermeidlich, daß ich ab und an mal nach Düsseldorf fahren und nach dem Rechten sehen muß. Hier noch ein Wunsch, dort ein kleiner Fehler, TANGO beschäftigt mich mäßig, aber regelmäßig.

Weit mehr hingegen beschäftigt mich meine persönliche Situation. Hamburg hat seinen Reiz ein wenig eingebüßt, Heidelberg seine akuten Schrecken etwas verloren. Und auch die Archäologin weilt wieder im Lande, wie mir zuverlässige Quellen vermelden. Und wäre es nicht wieder mal an der Zeit, eines meiner berüchtigten Essen zu geben? Berüchtigt, weil die Küche zwar gemütlich ist, aber bei knapp 9 Quadratmetern und 10-12 Personen drangvolle Enge unausweichlich bleibt, berüchtigt auch, weil die Speisen zwar lecker, aber meist knapp bemessen sind, ganz im Gegensatz zum Wein, der immer reichlich fließt, manchen gar zu reichlich. Und zum Schluß noch Eis und Espresso und Schnaps für alle, die reinste Akrobatik zwischen all den gestapelten Tellern und Schüsseln. Aber gemütlich ist's und fröhlich mit all den Freunden rund um den Tisch. Daß allerdings Herbert und Martin rechts und links von ihr sitzend sich einen Hahnenkampf um die Archäologin liefern würden ist so nicht eingeplant. Ich kann nur zusehen und versuchen, mir nichts anmerken zu lassen.

Feste feiern

Lieber Robert,

allerherzlichsten Dank für Deinen langen, langen Brief! Ach, Briefschreiben ist doch was ganz anderes....

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Es gehen wundersame Dinge vor in diesem Hause: das Erdgeschoß ist geräumt und der liebe Lorenz hat sein Händchen auf der unteren Wohnung, welchselbige sich alsbald in ein lauschiges Appartamento mit Küche und Bad für irgendwen, sowie ein Büro/Gästezimmer für mich verwandeln wird. Nicht jedoch bevor - oh schnief - hier die Super-Hyper-Monster-Fete getobt haben wird, am 7.12.90 nämlich mit 200 Leuten und der Freddy Wonder Combo, die ich mir zu engagieren erlaubt habe - um die Gründung der

Lorenz Borsche
Systemberatung

gebührlich zu feiern. Und überhaupt mal wieder mit dem ganzen Haus etc.pp. Und - schnief, schnief - der Robert ist nicht da, das ist echt traurig. Aber es wird Fotos geben und ausführliche Berichte und jede Menge Bohei und wir werden den Robert F. Joseph - Fanclub gründen und jede Menge Sekt auf Dich saufen und auf Michelle, auf daß sie Dich glücklich mache. Grüß sie unbekannterweise von mir und gehab Dich wohl, sind zwar keine 12 Seiten, aber dafür 102 Zeilen, behauptet mein Textomat jedenfalls, alles Gute bis zum nächsten Anruf

Lorenz

(wird fortgesetzt)